Irgendwo im Netz hab ich das aufgeschnappt, leider weiß ich nicht mehr wo und auch nicht, wie hoch die Empörungswellen schwappten. Hoch wurden sie bestimmt, denn das „nur für Jungs, speziell für Mädchen“- Thema ist ein ergiebiges, ist man auf der Suche nach hochgekochten Emotionen. Ich bin da etwas zwiegespalten, denn selbstverständlich erschließt sich mir nicht der Sinn, warum Farben einem Geschlecht zugeschrieben werden und weswegen Schokoladeneier, Chips und Gewürzgurken je nach Verpackungsfarbe und – Beschriftung Jungen/Mädchen/Frauen/Männern zugeordnet werden. Das ist bescheuert. Nicht weniger bescheuert ist es aber halt auch, wenn man sich daran hält und ich frage mich, ob die Modeindustrie „rosa ist pfui für Jungs“ sagt, weil sie sich das so ausgedacht hat oder reagiert sie darauf, weil das eben durch die Generationen getragen wird? Und schimpft man da auf die Modeindustrie oder versucht halt einfach sein eigenes Ding zu machen, ohne großes Gewese? Es ist kompliziert.

Für mich überhaupt nicht kompliziert ist die Trennung in Jungen- und Mädchenfreizeit in den Sommerferien. Träger ist der CVJM, der ja nun nicht mehr der „Christliche Verein junger Männer“ sondern der „Christliche Verein Junger Menschen“ ist und bis auf das „christlich“ kann man da ja nicht meckern.

Unsere Kinder fahren seit vielen Jahren mit in diese Freizeiten. Zuerst als Teilnehmer, später als Betreuer, dieses Jahr leitet und organisiert der Große die Jungenfreizeit, die Tochter hatte diesen Job letzten Sommer in der Mädchenfreizeit.

Die Jungenfreizeit dauert 12 Tage. Es wird gezeltet, mit kaltem Wasser geduscht und selbst gekocht. Traditionell übernehmen die Küchendamen das Küchenzelt. (atmen, weiterlesen!)

Die Mädchenfreizeit dauert acht Tage. Sie findet in einem Selbstversorgerhaus statt, mit nicht luxuriöser aber ausreichender sanitärer Ausstattung. Es wird selbst gekocht. Hier übernehmen, genauso traditionell, die Küchenherren den Job. 

Die Tochter ist mit großer Begeisterung Küchendame, die Söhne fügten sich quasi in ihr Schicksal, hatten aber Spaß.

Die Tochter hat mehrfach angeregt, die Mädchenfreizeit ebenfalls als Zeltlager zu konzipieren, doch dabei stieß sie immer wieder auf Widerspruch seitens der Eltern, die dies ihren Töchtern (ab acht Jahre alt) nicht zutrauen in Zelten zu schlafen. Und auch die eine oder andere Mitarbeiterin war nicht für das Outdoorleben zu begeistern. Das ist schade, aber eben nicht zu ändern. Letztlich ist es aber auch egal, denn wie in der Jungenfreizeit auch, finden Wanderungen statt, werden Wettkämpfe ausgetragen, es gibt Frühsport, Lagerfeuer, Nachtwanderungen, Mutproben und weil das ganze eben vom CVJM getragen wird: Andachten. Sowohl die Mädchen- als auch die Jungenfreizeit stehen unter einem Motto, nach dem sich Spiele und Basteleien richten.

Warum ist es dann so toll, dass diese Freizeiten nach Geschlechtern getrennt werden? Das ginge doch auch anders?! Ginge es und es geht gut. Das weiß ich, weil ich selbst zwölf Jahre lang Freizeiten betreut und geleitet habe. Zeltlager mit 50 Mädchen und Jungen von acht bis 13 Jahren. Zwei Wochen lang. Ein riesengroßer Spaß, ein gigantischer Stress und eine ergiebige Quelle für „Mutti erzählt, wie die Kinder früher drauf waren.“

Die Geschlechtertrennung in den Freizeiten ist ein großer Segen, weil ein ganz großer Punkt wegfällt: der Liebeskummer. Wenn Sie 30 vorpubertäre und mittendrinpubertäre Kinder und Jugendliche knapp zwei Wochen lang jeden Abend singend an ein prasselndes Lagerfeuer setzen, dann passiert irgendetwas mit den Hormonen. Alle verlieben sich kreuz und quer und gehen miteinander oder vielleicht doch nicht. Zwei Jungs und drei Mädchen sind die absoluten Stars und es gibt auch immer die, die es eben nicht sind. Die aber auch Hormone haben. Und dazwischen die Vorpubertären, die nicht so genau wissen, was da abgeht, die aber irgendwie mitmachen und sei es nur, um Liebesbotschaften von links nach rechts zu tragen. Und irgendwann brodelt die ganze Freizeit nur noch wie eine Disco an der Costa Brava und alles das, was eigentlich Spaß macht, ist Nebensache. 

Das ist auch toll, aber anders … ist es klasse.

Die Jungen- und Mädchenfreizeit kenne ich nur aus Erzählungen, von Bildern und dem halbstündigen Film, der jedes Jahr gedreht wird.

Die Jungen starten ihre Freizeit damit, dass sie ihre Betten bauen müssen. Das Zeltlager ist so weit aufgebaut, das erledigen die Betreuer (= die Fürsten) bereits bevor die Teilnehmer anreisen. Aus Latten werden Unterlagen für Isomatte und Schlafsack gezimmert, außerdem eine kleine Ablage für Krusch, Kram, Krempel und die Zahnbürste. Und dann lebt man da einfach zusammen mit dreißig anderen Jungen, Jugendlichen und jungen Männern. Es gibt Frühsport mit nacktem Oberkörper, es wird im Wald gepinkelt, wer wasserscheu ist, wird geduscht. Es wird zusammen gegessen und es gibt einen Nachschlag. Das ist wichtig, denn wer den ganzen Tag draußen ist, hat immer Hunger. Wer den ganzen Tag rennt, noch mehr. Es wird Indiaca gespielt, manchmal auch Fußball. Immer wieder bilden sich „Sauhaufen“ = einer liegt unten, zehn anderen stapeln sich obendrauf. Es wird gerungen und gekämpft und gewetteifert. Zwei Paar kurze Hosen, drei T-Shirts und zwei Unterhosen reichen und Socken braucht man nur, damit die Eltern nicht allzu sehr von den schwarzen Füßen geschockt sind.

Was da in dieser Freizeit läuft, ist nicht ganz das, was wir daheim so leben. Gegenseitiges Übertrumpfen, „ich bin größer, stärker, toller als du“- Geprahle, rülpsen, furzen … fällt eher in die „nicht unbedingt“ -Rubrik. Im Zeltlager darf man das. Im Zeltlager darf man das machen, was man als Jungenkram bezeichnen würde, wenn man das noch so bezeichnen dürfte. Und man darf es tun, ohne dass irgendjemand „leise, nicht so wild, nehmt Rücksicht, halt dich zurück“ fordert.

In der Mädchenfreizeit ist das übrigens genauso, nur in einem Haus mit Badezimmer.

Warum dann nicht zusammen? Weil es toll ist, einfach mal völlig unbefangen mit (neuen) Freunden, bzw. Freundinnen zu leben.  Mädchen unter sich, Jungen unter sich. Ohne Konkurrenz und Imponiergehabe, ohne  Eitelkeit und Anmache. Weil Mädchen sich dann tatsächlich mehr (zu)trauen und weil Jungen sich ausleben dürfen. Und gerade Letzteres finde ich, mich extrem weit aus dem Fenster lehnend, so wichtig, weil sie vor lauter „Mädchen können das auch“ garnichts Eigenes mehr haben. Das Zusammenleben, Rücksichten nehmen und „gleich sein“ können sie dann im Alltag wieder haben.

Stoff für mindestens einen weiteren Artikel, ich finds ja toll, dass Sie überhaupt bis hier durchhielten. 

Fastenzeit!

1. März 2017

Bisher habe ich jedes Jahr gefastet. Ich habe zweimal komplett auf Nahrung verzichtet, ich habe Zucker gemieden und Alkohol sein lassen. Mit kleineren Ausnahmen. Weitergebracht hat mich das Fasten nicht, weder spirituell noch physisch. Beim (Heil)Fasten habe ich drei Kilo ab und direkt wieder zugenommen, beim Zuckerfasten hatte ich die schrecklichste Gier auf Schokolade und beim Alkoholfasten wurde jeden dritten Tag etwas gefeiert und man stieß mit Sekt an. Oder halt mit Wasser. Dieses Jahr faste ich nicht indem ich auf irgendetwas Ess- oder Trinkbares verzichte. Das macht mir keinen Spaß, was ja irgendwie der Sinn des Verzichtes sein soll, führt aber letztlich auch zu nichts. Außer zu schlechter Laune bei Zuckermangel, aber die schaffe ich auch mit Schokolade. 

Diesmal mache ich es anders, diesmal versuche ich etwas, das dann vielleicht Gewohnheit wird. Ich verzichte auf Impulskäufe. Diese Käufe, über die man später entschuldigend „Ich bin halt ein Verpackungsopfer“ sagt. Oder „Das sprang mir so in den Wagen“. Vielleicht auch „das sehe ich im Moment ständig überall, da muss toll sein“. Und natürlich die Dinge, die ich nur gekauft habe, weil sie rosa sind, glitzern oder mit Einhörnern bedruckt sind. Das bedeutet, dass in der Dusche nur noch ein Duschgel und ein Schampoo stehen werden, im Badschrank nur noch eine Bodylotion und eine Gesichtscreme. Der 25. Nagellack bleibt im Laden, auch wenn er eine Nuance heller rot als der in meinem Schrank ist. Eine Sorte  Waschmittel reicht, ein Spülmittel auch, putzen, waschen, spülen muss ich trotzdem.

Ich versuche seit Jahren meinen Müll überschaubar zu halten. Coffee-to-go meide ich, Plastikwasserflaschen versuche ich so selten wie möglich zu nutzen. Smoothies und der ganze Mist zum Unterwegstrinken kommt mir nicht in den Einkaufswagen, dreifach verpackte Lebensmittel ebenfalls nicht. Aber im Drogeriemarkt eskaliere ich regelmäßig. Schluß damit. Schluß auch mit den „nebenbei“-Käufen. Ich brauche keine GeschirrhandtücherKerzenServiettenDosenScherenKnof-,Garn-und Haushaltssortimente mehr. Hab ich alles in ausreichenden Mengen, manchmal halt nicht in der passenden Farbe. Das lässt sich aushalten, denke ich.

Ausnahme: Supermarkttulpen. Jedenfalls so lange, bis ich sie auf dem Acker selbst pflücken kann.

So weit zu meinen Plänen, jetzt ein Schwenk zu denen anderer Menschen. Ich sag ja immer, jeder soll so wie er mag. Verstehen mag ich es trotzdem und so fragte ich gestern Abend, warum Menschen freiwillig Gluten fasten. Nach vielen spöttischen Antworten traute sich dann eine Frau doch noch nach vorne. „Neues ausprobieren, den Horizont erweitern“ argumentierte sie. Natürlich lässt sich da jetzt prima draufhauen, denn wer gesundheitsbedingt auf Gluten verzichten muss, rollt vielleicht die Augen und fragt sich, warum jemand freiwillig diese Erfahrung machen will? Aber so ist das nun mal beim Fasten: auf etwas verzichten, auch wenn es weh tut.

Ich versuche somit nicht zu unterstellen, dass hier ein neuer Gesundheitstrend unter dem Deckmäntelchen „Fastenzeit“ ausgelebt wird, obwohl mir das wirklich schwer fällt: Weizen ist ja schon lange in Verruf, weil er so hochgezüchtet ist und Gluten? Das ist doch irgendwas mit Kleber. Kleber in meinem Körper kann nicht gut sein, das bildet bestimmt Schlacken im Darm und die Schwester der Freundin meiner Nachbarin hat immer Bauchweh, wenn sie vier Stück Kuchen gegessen hat. Lactose ist auch ganz schlimm! Da ist in Milch und Milchprodukten und es muss ja einen Grund geben, warum es so viele lactosefreie Lebensmittel gibt. Alles was xy-frei ist, ist erstmal gesund. Oder wenigstens gut für den Körper. <- Für diese Aussagen gebe ich keine Quellen an, doch es ist nicht schwer sie im www zu finden. 

Warum? Woher kommt die Sorge, dass Bestandteile der Nahrung plötzlich schädlich sind? Ein fertig gepampschter Smoothie aber nicht, weil da steht ja Bio oder gesund oder grün oder vital oder sogar Kokoswasser drauf.

Abgesehen von der Sinnlosigkeit ohne zwingenden Grund Inhaltstoffe zu meiden, kostet der Spaß auch richtig Geld. „Ersatzprodukte“ sind nämlich ganz schön teuer. Und wenn man es nicht schafft sich ein bißchen zu informieren, wird man gründlich verarscht, denn „lactosefrei“ steht auch oft da drauf, wo noch nie Lactose drin war. Dann lässt sich das Produkt gleich teurer verkaufen. 

Das Thema Gesundheit ist groß und gerade zur Fastenzeit ist es präsent. Wäre nur die Bereitschaft nicht blind irgendwelchem Trends hinterherzueiern genauso groß. 

Also. Kein nach Einhorn riechendes Duschgel für mich, und wenn Sie es mir noch so oft in die Instagramtimeline posten.

Wechselhaft

27. Februar 2017

Eigentlich wollte ich ja etwas über den Tod schreiben. Das verschiebe ich aber auf einen anderen Zeitpunkt, denn viel lieber will ich über Wechseljahre schreiben. Da ich nämlich näher an der 70 als an der 20 bin, stecke ich da mittendrin. Ziemlich früh, aber ändern kann ich das ja nun auch nicht.

Vorneweg: folgend werden Körperflüssigkeiten, weibliche Geschlechtsorgane und ihre Funktionen benannt und beschrieben. Ohne Bilder, ohne Skrupel.

Die ganze Chose fing vor ein paar Jahren an, als mein Körper „Fehlfunktionen“ hatte. Die Eier sprangen nicht so wie sie das tun sollten, sondern erst einen oder zwei Zyklen später, verbunden mit schlimmen Schmerzen und Blut. Meine Zyklen verkürzten sich immer weiter, so dass ich von Ei-oder-doch-nicht-Eisprung nahtlos zur Blutung marschierte, mit schmerzhaften auf-keinen-Fall-berühren-Brüsten und Pickeln einer 13jährigen im Gesicht. Mein Eisenwert sank zu meiner Laune in den Keller, denn die Blutungen bewegten sich deutlich außerhalb dessen, was uns in Form von blauer Beispielflüssigkeit im Werbefernsehen gezeigt wird. Halbstündliches Wechseln der Supermegatampons an zwei Tagen und sämtliche Aktivitäten bitte so planen, dass sie in der Nähe von Toiletten stattfinden, mit gut gepolsterter Unterhose und niemals während dieser Zeit auf fremden Matratzen schlafen. Behaupte nochmal einer, die Monatsblutung schränkt die Lebensqualität nicht ein.

Um den Eisprung herum war ich ein sehr fröhlicher Mensch, sehr interessiert an zwischenmenschlichen Begegnungen mit dem besten Vater meiner Kinder. Kurz nach dem Eisprung und somit dem Ende der fruchtbaren Tage, verwandelte ich mich in etwas eher Kratzbürstiges. Die Brustschmerzen setzten derart heftig ein, dass ich den BH am Liebsten liegend auszog und natürlich nicht mehr auf dem Bauch schlafen konnte. Drei Tage vor der nächsten Blutung erlitt ich eine Art Nestbautrieb. Ein Aktivitätsschub, der mich putzen, herumwirbeln, nähen, gärtnern und das Haus renovieren ließ. Gleichzeitig. Am nächsten und übernächsten Tag lag ich Chips futternd und heulend im Bett. Bis die Bauchschmerzen einsetzten.

So war das etwa fünf Jahre lang. Nicht immer ganz so heftig, aber nie wieder der bequeme 28-Tage-zwei-handvoll-Tampons-und allerhöchstens-eine-400er Ibu-Ablauf.

Ich bekam Schlammfruchtgedöhns in Tablettenform an das ich nicht glaubte und das mir nicht half.

Ich machte Sport wegen der schlechten Laune und gegen Schmerzen.

Ich ließ mir Gebärmutterschleimhaut abätzen und ließ diese binnen eines halben Jahres wieder auf saftige Dicke wachsen.

Und gerade als ich mit dem Gedanken spielte, mir die Gebärmutter entfernen (und die Blase nach oben zurren) zu lassen, änderte sich etwas.

Meine Blutung blieb aus. Da der Gatte zu Verhütungszwecken schon vor sehr langer Zeit durchtrennende Maßnahmen ergriffen hatte, sparte ich mir den Kauf eines Schwangerschafttests und spielte auch nur ganz heimlich nachts das „was wäre wenn“ mit allen „um HIMMELSWILLEN, NEIN!“ durch. Nach sechs Wochen kam eine Schmierblutung. Zwei Wochen später eine Springflut, die mich beinahe ins Krankenhaus geschwemmt hätte. Danach Normalität. Fast vier Wochen Zyklen, beinahe wenig. 

Vor sieben Wochen das letzte Mal. Seitdem sitze ich im Trägerhemd auf der Terrasse und hoffe, dass die Temperaturen noch lange einstellig bleiben, gerne in Kombination mit diesem wunderbar kalten Wind.

Seitdem renne ich zweistündlich auf Toilette, weil meine Blase plötzlich kein Volumen mehr hat. 

Meine Brüste schmerzten bis vor drei Wochen in bekannter „bald geht es los!“-Manier, das hörte plötzlich wieder auf.

Statt mich darüber zu freuen, möchte ich entweder heulend im Bett liegen oder irgendjemanden erwürgen. Manchmal lache ich auch ohne Grund und vielleicht werde ich auch einfach nur verrückt.

Es gibt kein Deo mehr, das nicht nach zwei Stunden versagt.

Dafür wachsen Haare und Nägel in rasantem Tempo, als wollten sie so schnell wie möglich Abstand zu meiner dauererhitzten Haut erlangen.

Ich hatte „vorher“ eine normale Betriebstemperatur von 35,8 Grad, jetzt laufe ich ein halbes Grad wärmer. Und mein Blutdruck ist ebenfalls nicht mehr im Keller. Gut so.

Nicht gut ist, dass mir das Herz dauernd stolpert. Es setzt einen Schlag aus und galoppiert dann, um den Fehler auszubügeln. Nicht gefährlich oder bedrohlich, aber sehr, sehr merkwürdig. Und ich muss sehr bewusst atmen, damit alles wieder normal klopft.

Pickel habe ich immer noch. 

Erwähnte ich die Hitze? Der Gatte darf sich im Bett nur noch kurz anlöffeln, weil ich sonst in einer Pfütze liege. Aus Schweiß natürlich.

Sex … ist super. Wenn sich das Bedürfnis danach während angemessener Situationen meldet und dann auch befriedigt werden könnte. Heißt: wenn der Gatte da und willens ist und wir ungestört sind. Abends/nachts muss ich schlafen, denn wenn ich nicht grundlos lache, heule, schwitze oder jemanden töten will, muss ich schlafen. Nach drei Seiten, allerspätestens um halb elf.

Bis halb eins, weil dann muss ich pinkeln. Danach bin ich äußerst schlecht gelaunt und schwitze.

Hoffentlich trinke ich genug, um Schwitzen und Toilettengänge auszugleichen.

Oma Eis sagt, dass es auch ein bißchen Einstellungssache ist, wie eine Frau die Wechseljahre erlebt. Dass es wie mit den Periodenkrämpfen ist: wenn man sich drauf konzentriert, tut es viel mehr weh. Wenn man sich auf die ganzen Wechseljahrbegleiterscheinungen konzentriert, belasten sie stärker. Das habe ich bis vor Kurzem abgenickt, genauso gesehen. Seit letzter Woche aber, seit ich unter klimakterischer Erwärmung und Stimmungsschwankungen aus der Hölle leide, ist die Gelassenheit verdampft und ich hadere sehr mit meinem Schicksal.

Irgendwelche Hormone, die unterdrücken oder „leichter machen“ darf (und will) ich nicht nehmen. Dafür möchte ich bittebitte von Ihnen hören, dass der Spuk ganz bestimmt ganz schnell vorbei ist, weil bei Ihnen hat das dann auch höchstens noch ein Jahr gedauert. Das war doch so, oder? 

Oder wir klopfen uns virtuell tröstend gegenseitig auf die Schulter. Wir sind nicht allein. Lesen Sie mal hier, eine Leidensgenossin!

Durchgespielt!

24. Februar 2017

Der jüngste Sohn feiert heute seinen 18. Geburtstag.

Traditionell habe ich am Abend vorher den Küchentisch mit der entsprechenden Anzahl Geburtstagskerzen geschmückt, die eine zum Älterwerden steht in der Mitte. Da die Tochter beim Feiern fehlt, legte ich immerhin die Servietten, die sie uns geschenkt hat, auf die Teller.


Die Geschenke hatte ich schon tagsüber verpackt. Nur eine einzige große Überraschung war dabei: Konzertkarten für Santiano. (man muss den Musikgeschmack der eigenen Kinder weder lieben noch verstehen. Aber ab und zu mit ihnen zelebrieren, weil es ein echtes Fest ist, das Leuchten auf ihren Gesichtern zu sehen. Deshalb gehen wir mit zum Konzert.)

Es gab das blaue Kochbuch, den das bekam jedes unserer Kinder zum 18. Geburtstag. Und wie seinen großen Geschwister auch, schenkten wir dem Jüngsten ein Photobuch voller Bilder und kurzer Stichworte zu und über seine 18 Lebensjahre. (außerdem bekam er eine Packung Chips und eine Tüte Flips, eine Anspielung auf alte Geburtstagswunschzettel, auf denen das ganz oben stand)

Der beste Vater meiner Kinder hat einen Chocolat Fudge Cake und einen Käsekuchen gebacken, der Große sorgt dafür, dass die Geburtstagsparty demnächst rund läuft.

Heute nachmittag kommen die Geburtstagsgäste, Familie und Freunde, zum gemeinsamen Kuchen essen und feiern.

Mittlerweile sind wir wirklich routiniert und entspannt, selbst wenn die Feier größer wird, weil der Anlass ein besonderer ist!

Gerührt und ein bißchen wehmütig bin ich trotzdem, aber das haben Sie sicher schon vermutet. Es ist ja auch etwas ganz  Besonderes, dass jetzt alle drei Kinder erwachsen sind! Passend dazu gab es gestern in meiner Twitterblase einige Gedanken zum Kinderhaben und damit hadern. Ich bleibe dabei: gehadert habe ich nie, aber wenn ich zur Beruhigung nur ein paar Minuten lang in die Zukunft hätte spicken können … das wäre was gewesen!

So schaue ich in die Vergangenheit und freue mich über den Weg, den wir gegangen sind.


Die ersten Lebensjahre, in denen es manchmal so schwer war zu akzeptieren, dass die Entwicklung des Jüngsten langsamer und anders als bei den beiden größeren Kindern sein würde. Diese Jahre, in denen wir auf der Suche nach Ursachen, Diagnosen und Hilfe waren, diese Jahre in denen wir schwankten zwischen „wenn es doch etwas Eindeutiges wie eine Trisomie 21 wäre, damit man einfach den irritierten Mitmenschen erklären kann, was Sache ist“ und „joa, er ist wie er ist und es wird schon werden, geht keinen was an“. Das war schwer. Gleichzeitig unsagbar witzig und bereichernd. Und für die älteren Geschwister die beste Lehre in Sachen Geduld und Toleranz.

Für den Jüngsten war es eine weitestgehend unbeschwerte Zeit. Er war einfach unfassbar niedlich und fröhlich, alle Herzen flogen ihm zu. 


Die ersten drei Jahre in der Sprachheilschule waren wunderbar für ihn. Klassen mit zehn Schülern, von denen jeder sein eigenes Päckchen zu tragen hatte, so dass ein etwas langsamerer, komisch redender Junge kein Exot war. Das kam dann in den Jahren danach, als der Wechsel in die Regelbeschulung stattfand. In Klassen von 30 Kindern, in denen eine Lehrkraft allen gleichermaßen gerecht werden wollte, den Nachzüglern, den Überfliegern und denen, die unbemerkt im Mittelfeld vor sich hintreiben. In der Grundschule gab es eine pädagogische Fachkraft, die die „besonderen Kinder“ fangen und fördern sollte. Zwei Stunden in der Woche, eingesetzt in zwei Grundschulen. Eine Farce und ich könnte mich in Rage schreiben. Doch wir haben das überstanden, der Jüngste hat das überstanden und seine Sache prima gemacht! Seine Unbefangenheit verlor er trotzdem immer mehr, denn eine Entwicklungsverzögerung ist eben doof, wenn man damit irgendwie viel jünger (langsamer und naiver) als Klassenkameraden ist. Kinder sind nicht mit Absicht grausam, aber sie suchen sich Freunde, mit denen sie sich messen können. Keiner mag sich über längere Zeit mit einem Schwächeren messen.

Und so gingen die nächsten Jahre dahin. Der Jüngste fand seinen Platz und sein Glück im CVJM. Überstand die Schulzeit, fand einen Ausbildungsplatz, Sie wissen das, Sie lesen ja schon lange mit. Seine körperliche Entwicklung ist abgeschlossen, dafür steckt er jetzt psychisch mitten in der Pubertät. Das äußert sich unter anderem darin, dass er puterrot wird, wenn seine Eltern sich unziemliche Dinge sagen. Mit einer gehörigen Portion Selbsthumor kann er aber darüber kichern und wahrscheinlich ist er in ein paar Monaten durch. Ich bin sehr gespannt, welchen Sprung er dann nochmal getan haben wird!

Das fasst es übrigens ganz gut zusammen: wir waren immer gespannt, welchen Sprung er tut. Wir hatten niederschmetternde, kaum Zukunft bietende Diagnosen, aus denen ist er lachend herausgesprungen. Es gab Situationen, in denen wir kapitulierten und mit trotzig gerecktem Kinn sagten: dann wird er das halt nicht können, na und? Bis er einen Sprung tat und es doch konnte. Er machte vom mühsamen Buchstabieren einen Sprung zum Lesen von Terry Pratchetts Büchern, er sprang von „eins, zwei, viele“ bis zu den Berechnungen, die er während seiner Ausbildung und später im Beruf können muss.

Ich möchte immer noch für fünf Minuten zehn Jahre weiter spicken, würde zu gerne wissen, ob es da eine Beziehung geben wird, vielleicht sogar Kinder. Doch die Dringlichkeit, damals geboren aus Entmutigung und Erschöpfung, ist reiner Neugier gewiechen. Und die kann ich aushalten, denn ich weiß ja jetzt, dass letztlich doch alles irgendwie gut wird. Möglicherweise ganz anders, als ich das je vermutete.


Herzlichen Glückwunsch, Felix.

Trendsetterin!

17. Februar 2017

Endlich bin ich mal eine Trendsetterin! Damit meine ich nicht, dass Sie jetzt plötzlich alle geringelte oder quietschbunte Strumpfhosen tragen, sondern die Tatsache, dass es seit letztem Jahr total in sein soll, sich ein sogenanntes „She Shed“ in den Garten zu stellen. Oder einen vorhandenen Schuppen zu einem solchen umzubauen. Ein Shed ist nichts anderes als ein Gartenhaus/Schuppen/Unterschlupf, ein She Shed ist ein von Frauen gepimptes und geschmücktes Gartenhaus. Für Frauen.

Ein Trend der aus den Staaten schwappte, den aber eigentlich ich vor zweieinhalb Jahren setzte, als ich das Rosa Gartenhüttchen baute. (bauen ließ, ich lackierte und richtete ein)


Die She Sheds sollen der Gegenpart zu den Man Caves sein, den Bastelkellern und Hobbyräumen oder eben auch den klassischen Gartenschuppen voller Werkzeug, die angeblich als letzte Männerdomaine gelten. 


Das Ganze wird spottend beobachtet, manch einer sieht den Untergang des Abendlandes nahen, weil es jetzt plötzlich Gartenhäuser für Männer oder Frauen geben wird und ja, natürlich könnte das merkwürdige Blüten treiben, doch der klassische deutsche Garten lässt ja neben Schaukel und Trampolin kaum noch Platz für einen Minigeräteschuppen.

Aber was treibt denn die Frauen jetzt dazu, sich Rückzugsorte zu schaffen, Platz für Yoga oder einen Platz zum Lesen, Malen oder Handarbeiten? Vielleicht auch zum Schnitzen, Töpfern, Kiffen oder Pornos lesen, die Vorlieben sind ja unterschiedlich.

Hier kann ich nur von mir sprechen, denn was andere Frauen bewegt … geht mich ja auch erstmal nix an, habe ich nicht zu beurteilen.

Ich wollte ein Gartenhüttchen ganz hinten im Garten, da wo ein unverbauter Blick in den Wingert und auf den Sonnenuntergang möglich ist. Und ich wollte es in der Farbe streichen, die mir am Schönsten zum vielen Grün drumherum erschien. Ich wollte gemütlich sitzen, mit Polstern, Decken und Kissen. Ich entdeckte, dass auch ich eine romantische Ader habe, als ich mich für Spitzenvorhänge entschied. Dass diese eine prima Mückenschutz sind zeigte sich erst später.


Ich wollte Platz für liebgewonnene Dinge und für das Schnickeldi, das auch in der Grünen Villa verteilt ist. Gemütlichkeit, Ruhe, Leichtigkeit, Entspannung wollte ich, den kleinen Urlaub am hintersten Gartenende.


Rosa herrscht vor und ich merke jedesmal wenn ich im Gartenhüttchen sitze, wie glücklich mich die Stimmung dort macht. Dass ich einen Hang zu Kitsch habe, kann ich nicht abstreiten. Dass es einen Ort gibt, an den ich ihn ausleben kann, ist großartig und ein Privileg.


Das Rosa Gartenhüttchen ist die Entschädigung dafür, dass ich mir als Kind/ Jugendliche niemals mein Zimmer so gestalten durfte, wie ich es wirklich wollte. Albern, vielleicht. Doch das ist letztlich egal, weil es eben mein Beweggrund ist.


Wir verbringen sehr viel Zeit im Rosa Gartenhüttchen. Wir alle, auch die Männer der Familie. Obwohl es rosa ist. Und blumig. Und zart. Und kitschig. Weil aus „meinem“ Rosa Gartenhüttchen eben „unser“ Rosa Gartenhüttchen wurde und ich bestimme, was dort wie verändert wird.

Ich kann nicht verstehen, dass gespottet werden muss über eigene Räume, die sich Frauen und Männer schaffen, es irritiert mich sogar sehr, dass der Spott über Männerhobbykeller eher liebevoll ist, der über Frauengartenhäuser aber voller Häme. Und auch hier habe ich heute hauptsächlich von Frauen gelesen, wie albern und überflüssig dieser Trend doch ist. Keinen einzigen Kommentar der in Richtung „wie cool, da verwirklichen sich Frauen und leben ihre Träume!“ ging.

Wie traurig.